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Zur Zeit Karl des Großen bedeutendes Dorf Oberhöchstädter Geschichte weist interessante Spuren auf / Viele Dinghöfe und ein Königshof
Oberhöchstadt - Mit der Geschichte Oberhöchstadts beschäftigt sich auch der zweite Teil des Berichts, den Dr. Rolf Rosenbohm schrieb. Diesmal geht es im Wesentlichen um die überörtliche Bedeutung, die Oberhöchstadt im frühen Mittelalter bereits hatte.
Wenn sich auch der Oberhöchstadter Grundriß nicht datieren läßt und die Urkunden durchweg nicht zwischen Nieder- und Oberhöchstadt unterscheiden, so kann doch mit Sicherheit gesagt werden, daß auch Oberhöchstadt zur Zeit Karl des Großen existierte und etwa gleich alt wie Niederhöchstadt ist. Ebenfalls ist gewiß, daß Oberhöchstadt bereits in der Karolingerzeit Niederhöchstadt den Rang abgelaufen hat. Während die weitere Entwicklung dieses Dorfes nicht aus dem Rahmen einer üblichen Dorfgeschichte herausfällt, verspricht eine Darstellung der Geschichte von Oberhöchstadt Aufschlüsse von überörtlicher Bedeutung zu geben.
Auf alle Probleme, die mit Oberhöchstadt verbunden sind, kann hier nicht eingegangen werden, denn kaum ein anderes Dorf ist so reich an Fakten aus dem Mittelalter wie dieses. Allerdings erfordern die recht komplizierten Verhältnisse noch eingehende Untersuchungen.
Die Reichsklöster Lorsch und Fulda erhielten bereits früh umfänglichen Grundbesitz in Höchstadt, der ausnahmslos Schenkungen von fränkischen Großgrundbesitzern entstammen dürfte. Später erwarb auch das Kloster Retters hier Besitz. Um 800 besaß das Lorscher Kloster einen Herrenhof sowie 7 Zinshöfe. Kurze Zeit danach erscheint dieser Besitz erheblich erweitert: Als [Teil?] des Herrenhofes erscheinen jetzt 10 Zinshöfe, eine Getreidemühle sowie weitere 24 Zinshöfe. Daß dieser Fronhof und ein wesentlicher Teil des Zubehör in der Oberhöchstadter Gemarkung lagen, geht aus der weiteren Geschichte hervor. Laut dem Kronberger Diplomatarium besaß Ritter Frank von Kronberg (1423 f) u. a. „den dinghoff tzu Obernhexstat unde die pastorye daselbest" und zwar als Mannlehen des Lorscher Propstes. Dieser Dinghof dürfte mit dem Herrenhof identisch sein, da er von Lorsch lehnrührig ist.
HERRENHÖFE NACHWEISBAR
Daneben scheint es einen weiteren Dinghof gegeben zu haben, denn der Ritter Bechtram von Vilbel versetzt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts den Kronbergern eine Korngülte „uff dem hoffe zu Hexstat", die er vom Erzbischof von Mainz zu Lehen hat. Dieserselbe Ritter und sein Bruder Richard verkaufen eine weitere Kornernte „zu Obirnhexstad uff dem gude, wysen und gartin. Und alle die gude, daz usz dem dinghove daselbis gearbett wirt, daz ruret von mym herr von Menze." Wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, daß mit diesem Dinghof der Lorscher gemeint sein könnte, - es muß besitzrechtlich zwischen dem Grundeigentum und den darauf ruhenden Lasten klar unterscheiden werden -, so ist es durchaus möglich, daß es sich um einen anderen Dinghof handelt.
Aber damit nicht genug. Der verdienstvolle nassauische Topograph Christian Daniel Vogel hat auf den 1358 erwähnten Königshof in Heckstadt hingewiesen. Das wäre ein dritter oder wenigstens ein zweiter Herrenhof. - Im 12. Jahrhundert lebte eine erzbischöflich mainzische Ministerialenfamilie von Heckstad und im 13./14. Jahrhundert ist eine Ritterfamilie von Heckstad nachweisbar. Es wird sich wohl um ein und dieselbe Familie handeln.
Die Burg liegt zwischen der Friedens- und der Friedrich-Ebert-Straße genau dort, wo beide Gassen einen Knick aufweisen, der übrigens von dieser Burg herrührt. Diese überaus ungünstige Lage für eine hochmittelalterliche Burg, die entweder eine Höhe wie etwa die Kronberger Burg oder eine feuchte Niederung bevorzugt, spricht dafür, daß sie die Nachfolgerin eines spätfrühmittelalterlichen Turmhügels ist, wie er in unserer Heimat etwa in Friedrichsdorf und bei Obernhain noch erhalten ist. Der Gassenname „Schloßgraben" hält noch heute die Erinnerung an diese Burg wach.
Es sind also bereits im frühen Mittelalter drei oder vier bedeutende Grundherren in Oberhöchstadt mit Herrenhöfen nachweisbar, die eine nähere Untersuchung wohl wert wären. Lockt es da nicht einen Leser der TAUNUSZEITUNG, diesen fern vergangenen Dingen, die noch heute real nachwirken, einmal nachzugehen?
Literatur: Aufsätze in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte Oberursel, H. 16 und 17, 1972, Stotzingen, Otto: Cronberg' sches Diplomatarium, in: Nassauische Annalen, 37 1907, S. 180 - 227; Reg.; Sauer, W.: Nassauisches Urkundenbuch, 1. Bd. 1884 - 1887, Register und Nr. 2913
Der Grundriß von Oberhöchstadt bietet viele interessante Forschungsmöglichkeiten.
Höchster Kreisblatt/Taunuszeitung - 14.8.73 - mit freundlicher Erlaubnis des HK
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