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Burg Kronberg: Erstmals seit 20 Jahren gibt es wieder ein Museum
Himmelbett samt Metallwärmflasche für einen Herrn aus dem 17. Jahrhundert.
Weltstar Ritter Hartmuth Kronberg: Neues Burgmuseum seit dem Wochenende geöffnet
Von Martina Propson-Hauck
Kinder fragen bei Burgbesuchen immer, ob hier denn auch ein Ritter wohnt. Und was für einer, muß die Antwort der 20 Männer und Frauen, die ehrenamtlich durch die Burg und ihr neues Museum führen, seit diesem Wochenende lauten.
Zumindest haben Plattner Peter Müller und seine Mitarbeiter den Harnisch von Ritter Hartmuth VII. nach dessen steinerner Grabplatte aus der Burgkapelle absolut originalgetreu rekonstruiert. Der promovierte Maschinenbauer hat das Handwerk des Rüstungsbaus in Österreich gelernt. Außer ihm gibt es in Europa nur noch ein knappes Dutzend Menschen, die diese Kunst beherrschen. Die originale Rekonstruktion des Ritters ist ihm zufolge „weltweit einmalig". Hartmuth dürfte eine der Hauptattraktionen in den zehn Räumen des neu gestalteten Museums werden: 41 Kilo wiegt sein komplettes Outfit samt Panzerhemd, dem in Leder eingenieteten Plattenrock, Ketten für Helm und Schwert an der Brust, Stundenglashandschuhen und zwei Helmen. Wie er unterm Wappenrock aus Stoff aussieht, können die Museumsbesucher allerdings nur auf Fotos sehen. Ein Helm zum Selbstausprobieren liegt aber bereit.
So ausstaffiert hätte sich der Herr von Cronberg im 14. Jahrhundert in jeder Schlacht oder auf einem Hoftag Kaiser Karls zeigen können ohne aufzufallen, behauptet Kunsthistoriker Gerd Strickhausen, der für den Burgverein gemeinsam mit seiner Frau Nina das Museumskonzept erstellt hat.
Die originalgetreue Rekonstruktion der Ritterkluft ist weltweit einmalig
Hergestellt wurde nicht der Ursprungszustand, sondern das Aussehen der Burg vor rund 100 Jahren, als die Witwe Kaiser Friedrichs III. gemeinsam mit dem Homburger Baumeister Louis Jacobi in der Ritterzeit schwelgte. Beide schweben auf transparenten Stoffen als "Geister des Hauses" in der Ausstellung. Mit einer Schulstube wird im neuen Museum auch daran erinnert, daß hier bis 1894 mehr als 110 Jahre lang die katholische Schule untergebracht war. Die einsame Standuhr auf dem Gang davor stammt aus dem Nachlaß des Kronberger Bürgermeisters Georg Jamin (1864 bis 1904). In der Burg befand sich auch eine Amtsstube der Verwaltung.
Nur über steile Wendeltreppen erschließt sich das mehrstöckige Museum gegenwärtig. Ein moderner Außenturm mit Aufzug und Stegen soll im nächsten Jahr gebaut werden. Auf Technik haben die Kunsthistoriker bei der Ausstattung weitgehend verzichtet. Die Fußbodenheizung dient nur konservatorischen Zwecken, Halogenstrahler heben nur einzelne Originale ins rechte Licht. Das ist erfreulich schlicht und ruhig, nirgends drängt sich Multimediaberieselung auf. Wie die Entsorgungstechnik der winzigen Aborte in den Burg-Erkern funktionierte, bleibt der Phantasie der Besucher überlassen.
Führungen mittwochs, donnerstags, samstags um 14, 15 und 16 Uhr, sonntags zusätzlich auch um 13 Uhr.
Frankfurter Rundschau – 21.4.08 - mit freundlicher Erlaubnis der FR
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