Der Taunus hat sein Dreimärker-Eck zurück

Von Harald Konopatzki

Königstein. Im vereinigten Europa werden Grenzen immer bedeutungsloser, geraten einstige Demarkationslinien zunehmend in Vergessenheit. Anders im Vordertaunus. Hanspeter Borsch hat hier jetzt eine Grenze wieder sichtbar gemacht. In der Gemarkung „Im Helbigshain" oberhalb der Bundesstraße 455 am Opel-Zoo zeigt ein verloren geglaubter Grenzstein nun wieder, wo die Gebiete von Kronberg, Königstein und Falkenstein zusammentreffen.

Dreimärker-Eck

  Hanspeter Borsch (links) brachte den alten Grenzstein wieder ans Tageslicht.

Doch Borsch, ehrenamtlicher Obmann für historische Grenzsteine, hat sich für den so genannten „Dreimärker" auf der Wiese etwas Besonderes einfallen lassen und dafür Unterstützer gefunden. Sieben Vereine der drei Orte und der Landkreis hatten am Wochenende Vertreter geschickt, um am Grenzstein drei Bäume zu pflanzen - für jede Gemarkung einen.

„Für Kronberg steht der Speierling, für die Kastanienstadt Königstein eine Edelkastanie", erklärte Borsch. Nur für den „Himbeerort" Falkenstein habe man einen Kompromiß eingehen müssen. „Himbeeren sind nun mal keine Gewächse mit großen Kronen, deswegen haben wir uns für eine Maulbeere entschieden", sagte Borsch.

Um den genauen Punkt für die Pflanzung zu bestimmen, war extra das Katasteramt aktiv geworden. Wie auf einem Fußballplatz wurden die Gemarkungsgrenzen mit weißem Pulver abgestreut - 50 Meter in jede Richtung. „Das ist hochoffiziell und auf fünf Zentimeter genau", verdeutlichte Hanspeter Borsch die Genauigkeit der Vermesser. Seit dem 6. Mai 1790 gibt es diese offizielle Grenzlinie. Damals hatten Kronberger und Königsteiner Räte das ganze Gebiet vermessen lassen und eine Linie festgelegt, die von den Preußen übernommen wurde und bis heute unverändert blieb.

Auf einer extra für die Pflanzaktion errichteten Schautafel mit vielen Karten aus den unterschiedlichen Epochen konnten sich die 20 Anwesenden davon überzeugen, daß der Punkt zwischen Opel-Zoo und Taunusschule seit mehr als 200 Jahren in den offiziellen Karten vermerkt ist. „Nur der Stein selbst war zwischenzeitlich verloren. Ich habe ihn dann ein paar hundert Meter weiter im Gestrüpp gefunden", erzählte Borsch, für den das Fehlen eines Steins nicht ungewöhnlich ist. Oft komme es vor, daß Bauern die Steine beim Pflügen entfernen - versehentlich oder mit Absicht. Auch würden die historischen Steine gerne als Souvenir entwendet. Doch das ist strafbar: „Dabei handelt es sich nämlich offiziell um ein so genanntes Kleinbodendenkmal. Wer das entfernt oder beschädigt, kann richtig Ärger bekommen", warnte Borsch.

Die sieben Vereine - die Heimatvereine Königstein, Falkenstein und Mammolshain, der Kronberger Geschichtsverein, die Obst- und Gartenbauvereine Kronberg und Mammolshain und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kronberg - begrüßten die Aktion und machten gerne mit. Für Borsch nur ein Auftakt zu weiteren überörtlichen Projekten. Ein Umstand, der auch den Leiter des Kreisarchivs, Gregor Maier, freute: „Wir sehen hier, daß Grenzen auch Begegnungsstätten sein und wir grenzübergreifend als Vereine zusammenarbeiten können."

Höchster Kreisblatt/Taunuszeitung - 29.4.08 - mit freundlicher Erlaubnis des HK