Schon die Ur-Homburger waren wohlhabend
Archäologen fanden Keramikscherben aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und von den Römern / Die ältesten Stücke sind mehr als 7000 Jahre alt

Bereits vor 7150 Jahren siedelten zwischen Ober-Erlenbach und Seulberg Menschen. Die Siedlung aus der Jungsteinzeit war viel größer als die Archäologen noch zu Beginn ihrer Grabungen 2001 vermutet hatten. Die Ergebnisse stellten sie jetzt vor.
von Cornelia Färber

Bad Homburg - „Mindestens drei Hofplätze mit Bebauung haben hier zwischen 5225 und 5150 vor Christus gestanden. Die Häuser rund um diese Hofplätze waren bis zu 30 Meter lang", sagte der Archäologe Nico Fröhlich, der sich in seiner Magisterarbeit mit den ältesten Funden links und rechts neben der Autobahn 5 auf der Höhe von Ober- Erlenbach beschäftigte.

Mittwoch Abend stellte er gemeinsam mit den Archäologen Jan Christoph Breitwieser und Michael Müller die Siedlungsgeschichte der Ober-Erlenbacher Gemarkung „Holderstauden" vor, wo bei Grabungen menschliche Spuren aus der Steinzeit, der Bronzezeit und der Römerzeit gefunden wurden.

Kein vollständiges Stück

5882 Scherben hat Nico Fröhlich aus der jungsteinzeitlichen Bandkeramikzeit gefunden und zu 936 Gefäßen zusammengesetzt. Gefäße, die mit linienförmigen Bändern verziert waren und dieser Epoche ihren Namen „Bandkeramik" verliehen. Gefunden hat er die Scherben in den 36 Abfallgruben, die die Menschen damals rund um die langgestreckten Wohnhäuser gebuddelt hatten. „Das schönste Stück ist eine mit umlaufenden, eingefärbten Bändern verzierte, ovale Schale" sagt Fröhlich. Ein vollständiges Gefäß konnte er aber nicht zusammensetzten.

Beengt gewohnt, wie beispielsweise im Mittelalter, haben die Menschen damals nicht. Maximal fünf bis sieben Menschen lebten in den 30 Meter langen Häusern. Auch in der Bronzezeit zwischen 1200 und 800 vor Christus haben an dieser Stelle Menschen gelebt. Jan Christoph Breitwieser hat 250 Kilogramm Keramik in den Abfallgruben aus dieser Zeit gefunden und zusammengesetzt. Daß das keine Kultgruben oder Gräber waren, schließt Breitwieser aus der Zusammensetzung des Grubeninhalts. „Es waren mehr Becher, Siebe und Töpfe darunter. In Kultgruben findet man mehr Schalen", sagt er. Auch wenn keine Häuserumrisse mehr gefunden werden konnten, steht für die Archäologen fest, daß an dieser Stelle eine bronzezeitliche Siedlung war und nicht ein Gräberfeld, wie ursprünglich angenommen.

Ziemlich wohlhabend waren die Menschen hier in der „spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur". Eine Glasperle aus der Gegend der Pfahlbauten in Süddeutschland hat Breitwieser gefunden. „Sie ist vielleicht durch Einheiraten hierher gekommen", vermutet er. Die Menschen sind also auch damals schon gereist.

Auch ein Rasiermesser mit Klinge, wie sie bisher nur im französischen Raum gefunden wurden, hat Breitwieser aus einer der bronzezeitlichen Abfallgruben geholt. Allerdings: „Die anderen sind jünger. Vielleicht wurde die Rasierklinge hier erfunden." Und exportiert?

Die römische Villa Rustica, die im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus an derselben Stelle im „Holderstauden" gestanden hat, war mit 10,8 mal 11,2 Metern Grundriß kleiner als anfangs vermutet. Die Keramik, die Michael Müller aus der Römerzeit ausgegraben hat, deutet auch hier auf einen regen Handel quer durch Europa hin. Ein Töpferstempel auf einer Keramikschale weist auf Südfrankreich hin. Eine Amphore stammte aus Spanien. Mit ihr wurde vermutlich Olivenöl zu den römischen Soldaten an der Saalburg gebracht.

SIEDLUNGSGESCHICHTE

  • 5225 bis 5150 vor Christus: Während der jungsteinzeitlichen Bandkeramikzeit siedelten bereits Menschen zwischen Ober-Erlenbach und Seulberg.
  • 1200 bis 800 vor Christus: Perlen und Feinkeramik aus den Abfallgruben der Spätbronzezeit weisen auf wohlhabende Siedler hin.
  • 120 bis 260 nach Christus: In einer kleinen Villa Rustica mit gepflastertem Hof lebten Römer. FB

Frankfurter Rundschau - 2.2.07 - mit freundlicher Erlaubnis der FR