Vom Dorf zur Stadt
Steinbach: Dauerausstellung im neuen Museum

Von Olaf Veite

Steinbach brennt nicht. Auf der Darstellung ist das unversehrte Dorf deutlich zu erkennen - das benachbarte Oberursel steht dagegen in Flammen. Die Abbildung stammt aus dem Druckwerk „Historische Relation zur Frankfurter Messe" von 1622 und ist in Kopie im Museum des Steinbacher Geschichtsvereins ausgestellt. Vor kurzem konnten Vorsitzende Ilse Tesch und ihre Mitstreiter den neuen Museumsraum im Backhaus an der Kirchgasse eröffnen. Zuvor mußten die Heimatforscher ihre Ausstellungen in einer Garage präsentieren.

Nachdem die Stadt den Kellerraum im Backhaus zur Verfügung gestellt hatte, begannen Renovierung und Umgestaltung. Heute ist der Boden gefliest, Rohre sind verkleidet, und eine Lichtanlage erhellt die Exponate der sechs Themenfelder. Der Umbau wurde durch Spenden möglich gemacht.

Pfeilspitzen der Jungsteinzeit

Dem Werdegang vom Agrardorf zur modernen Wohn- und Schlafstadt gilt das Augenmerk des 1987 gegründeten Vereins. Mit den Pfeilspitzen und Keramikscherben aus der Jungsteinzeit, gefunden vor 18 Jahren am Viehweg, beginnen Ausstellung und Steinbachs Historie. Die Funde beweisen, daß der Ort bereits um 5000 vor Christi besiedelt war. Neben Relikten aus Hallstatt- und römischer Zeit deutet ein Güterstein aus dem Jahre 1687 auf alte Grenzverhältnisse hin. Zu welcher Herrschaft das abgebildete Wappen gehört, blieb bislang ein Rätsel. Noch immer sollen 35 der vormals 96 Hoheitssteine in Steinbacher Erde stecken. Nicht fehlen darf der Hinweis auf die erste Erwähnung: „In Steinbacher marca" heißt es in einer Schenkungsurkunde vom 14. September 789. „Wahrscheinlich haben Lehmboden, Wasservorkommen und das gute Klima die frühen Siedler angelockt", sagt Ilse Tesch. Ob dies auch Beweggründe für die Familie Fendel gewesen sind? Zum ersten Mal taucht der Name 1712 auf, bis heute leben die Nachkommen in Steinbach.

Dokumente und Fotografien widmen sich den Landwirten und Sattlern, deren „Keimzelle" in der Obergasse war. Von Hermann Wicht, einem späten Nachfahren, ist die Ausweiskarte als „Bahnsteigschaffner der Reichsbahndirektion Frankfurt" ausgestellt.

Handwerkszeug aus einer Schmiede und der letzten Schuhmacher-Werkstatt werfen ein Licht auf die tägliche Mühsal des Landlebens. Daneben aber auch Gerätschaften der Entspannung: Tabakschneidemaschine und Zigarrenformer beweisen, daß die Taunusbewohner einst ihre eigenen Rauchwaren anbauten.

Das Museum ist samstags zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet - auch zu besonderen Anlässen. Oder nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 06171/52170.

Frankfurter Rundschau - 15.6.09 - mit freundlicher Erlaubnis der FR

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