Spuren von Wortwins Burg entdeckt
Neue Ausgrabungen im Schloßhof belegen, daß der Ritter zwischen 1160 und 1200 Homburg gründete

Bad Homburg ist jünger als bislang angenommen: Das belegen auch die jüngsten Ausgrabungen auf dem Gelände des Schlosses. Der um das Jahr 1140 geborene Wortwin von Hohenberch ist der Begründer Homburgs, und Keimzelle der Stadt ist nicht die Altstadt, sondern Wortwins Burg.

Von Günther Scherf

Bad Homburg - „Aß der Ritter Wortwin Roggenbrot mit Brombeer-Marmelade und trank dazu sein Bier aus einem Henkelkrug?" Auf diese nicht so ganz ernst gemeinte Frage-Formel bringt der Frankfurter Archäologie-Professor Joachim Henning (Goethe-Universität) das Fazit der Ausgrabungen, die seine Studenten im April zusammen mit der Schlösserverwaltung und der freien Archäologie-AG des ehemaligen Geschichtslehrers und Hobbyarchäologen Rüdiger Kurth durchgeführt haben.

Die dabei aus zwei Meter Tiefe ausgegrabenen Erdschichten bestätigen, wie Henning und Kurth gestern vor Journalisten berichteten, die Existenz eines Pfostenbaus, der zwischen 1160 und 1200 auf dem Areal des heutigen oberen Schloßhofs stand. Die Forscher haben dort unter anderem ein Roggenkorn und Reste einer Brombeere sowie entsprechende Pollen gefunden, deren Alter in botanischen Laboren entsprechend bestimmt werden konnten. Tiefer gelegene Erdgeschichten, die auf noch ältere Zivilisationen schließen ließen, gebe es nicht.

Suche nach Dietigheim geht weiter

Eine zweite, höher gelegene Erdschicht habe Spuren eines Fachwerkbaus aus der Zeit um 1200 enthalten. Eine dritte, 50 Zentimeter unter der heutigen Oberfläche gelegene Erdschicht, bestätige schließlich die Existenz eines Stein-Mörtel-Baus aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Darin haben die Archäologen auch einen gut erhaltenen Tonkrug gefunden, der nach weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen öffentlich ausgestellt werden soll.

Nach Ansicht von Henning und Kurth ist damit erwiesen, daß es das im Jahr 782 bereits urkundlich erwähnte Dorf „Dietigheim" auf dem heutigen Schloßgelände nicht gegeben hat, wohl aber die in der Geschichtsliteratur bereits anhand von Urkunden belegte Burg des Ritters Wortwin. Vor einigen Jahren hatte das Team Henning/Kurth mit Ausgrabungen bereits bewiesen, daß die heutige Altstadt um das Jahr 782 ein unbewohnter Sumpf war. Die offizielle Geschichtsschreibung ging bis dahin davon aus, daß Dietigheim auf dem Gebiet der heutigen Altstadt gelegen habe.
Wortwin-Platz in Bad Homburg?

Den Schloßplatz will Rüdiger Kurth (links) nach dem Homburg-Gründer Wortwin benennen. Der Archäologie-Professor Joachim Henning (Frankfurt) freut sich darüber, bei Grabungen im Schloßhof einen mehr als 700 Jahre alten Tonkrug gefunden zu haben.

Für Kurth und Henning steht damit fest, daß Homburg nicht mehr als 1200 Jahre, wie 1982 bereits gefeiert, sondern erst gut 800 Jahre alt ist. Begründer der Stadt sei offenkundig der Ritter Wortwin. Kurth schlägt vor, deswegen den Schloßplatz nach ihm zu benennen. Nach dem im Lorscher

Codex erwähnten Dietigheim müsse weiter gesucht werden, ergänzt Kurth. Es gebe seit längerem Hinweise darauf, daß es in der Flur „Hofstadt" in Gonzenheim, an der Ober-Eschbacher Straße zwischen Grenz- und Forsthausstraße, gelegen haben könnte. Um dies zu überprüfen, seien weitere Forschungen nötig.

Die „Freunde der Louisenstraße", eine Gruppe von Einzelhändlern, sprechen deshalb bereits vom „825-jährigen Bestehen Homburgs". Diesen Geburtstag möchten sie dann auch im kommenden Jahr mit einem mittelalterlichen Markt feiern und auch eine Gedenktafel zur Erinnerung an Wortwin anbringen.

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WORTWIN

  • Wortwin von Hohenberch, auch von Steden genannt, lebte von etwa 1140 bis 1211 und ist in einer undatierten Urkunde des Klosters Eberbach erwähnt.
  • Seine Burg auf dem Gelände des heutigen Schlosses hat er um 1200 an die Herren von Eppstein verkauft. Ob er aus Steden stammt oder sich nach dem Verkauf dort niederließ, ist unbekannt.
  • Verheiratet war Wortwin mit einer Frau namens Adelheid. Sie hatten einen Sohn Heinrich und eine Tochter Elisabeth.  CHE

Frankfurter Rundschau – 20.10.06 - mit freundlicher Erlaubnis der FR

Die Historische Gesellschaft Eschborn gratuliert der Stadt Bad Homburg zum “jugendlichen” Alter von fast 825 Jahren!