Als die Welt auf Frankfurt schaute
Die Ausstellung Kaisermacher ist eröffnet / Bis zum 14. Januar 2007 zeigen vier Museen alles zu Kaiserwahl und Krönung

VON ANDREAS KRAFT

Karl IV. hat genug von all den Streitigkeiten um den Thron. Mit der Goldenen Bulle will er den Zwist 1356 ein für alle mal beenden. Frankfurt kann das nur Recht sein. Denn in dem Gesetz steht auch, daß der Kaiser hier gewählt wird. Vom Mittelalter bis zur Moderne wird die Stadt somit regelmäßig zum Schauplatz der Weltgeschichte. Neben dem Ruhm zahlt sich das für Frankfurt auch in barer Münze aus. Schließlich kommen zur Wahl und später zur Krönung bis zu 40.000 Menschen in die Stadt. Mit der Goldenen Bulle wird diese Einnahmequelle zur verläßlichen Größe.

Ab heute kann jeder die Bestimmungen, die so wichtig für Frankfurt wurden, in einer Vitrine im Karmeliterkloster sehen. Umgeben von goldenen Wänden, wirkt die gut 640 Jahre alte Handschrift - der Rat der Stadt ließ sie etwa zehn Jahre nach dem Erlaß anfertigen - zerbrechlich. Dem Ansturm der Besucher würde sie sicher nicht stand halten. Damit wir auch heute in dem Gesetzestext blättern können, ließ das Institut für Stadtgeschichte ein Faksimile auf CD erstellen. Mit der Maus lassen sich die Seiten umblättern - man kann das alte Pergament fast knistern hören.

Die Ausstellung im Karmeliterkloster berichtet auch von den diplomatischen Verhandlungen zwischen Karl IV. und den Kurfürsten um den Text der Goldenen Bulle. Schließlich bestimmten sie eine Kapelle im Frankfurter Dom zum Wahlort des deutschen Königs und Kaisers. Heute führt eine niedrige Tür neben einem Seitenaltar in eine kleine Kammer. Hier wurden die Kurfürsten bei Wasser und Brot eingeschlossen, bis sie sich geeinigt hatten. Später gingen der eigentlichen Wahl lange Verhandlungen voraus. Bei der Wahl Kaiser Karls VII. 1742 dauerten sie ganze 15 Monate. Während dieser Zeit gab es in der Stadt zahlreiche Empfänge. Der französische Gesandte, der Einfluß auf die Wahl nehmen wollte, hatte sogar 69 Köche dabei. Bei Wasser und Brot hätte man sich wahrscheinlich schneller geeinigt.

Wein aus dem Justitiabrunnen

Das lange Ringen um die Wahl Karls VII. nimmt auch im Historischen Museum einen guten Teil der Ausstellung ein. Eine Installation stellt die Verhandlungen in der Wahlstube des Römers nach. Mit rotem Stoff gepolsterte Stühle werden angeleuchtet. Dazu erläutert eine Stimme vom Band die Positionen und Interessen der Kurfürsten. Während sich das Historische Museum mit den Macht-Spielen rund um Wahl und Krönung des Kaisers beschäftigt, erklärt das Dommuseum die geistliche Zeremonie der Krönung. Die zentrale Rolle spielte dabei üblicherweise der Fürstbischof von Mainz. Der neugewählte König stand vor ihm und trug nichts außer ein weißes Gewand. Durch spezielle Öffnungen salbte ihn der Kurfürst mit geweihtem Olivenöl zum Kaiser. Erst dann zog der neue Herrscher seine neuen Kleider an und die drei geistlichen Kurfürsten setzten ihm gemeinsam die Krone auf. Nach dem Krönungszug zum Römer huldigten die Frankfurter ihrem neuen Kaiser. Danach ging es auf dem Römer oft recht derb zu, wenn aus dem Justitiabrunnen Wein floß und sich Gesellen um den Kopf des drei Tage lang gebratenen Ochsen prügelten.

Juden müssen im Ghetto bleiben

Von all dem bekamen die Juden nichts mit. Obwohl sie unter dem speziellen Schutz des Kaisers standen, durften sie die Judengasse während der Feiern nicht verlassen. Davon, wie Friedrich III. 1442 die Juden in das erste Ghetto Europas verbannte, erzählt die gut gemachte Ausstellung im Museum Judengasse. Gleich zu Beginn konfrontiert sie den Besucher mit kritischen Fragen zu den Kaisern. Die Antworten finden sich nach und nach während der Besucher durch die Ausstellung und langsam in der Zeit zurückschreitet. Am Ende kommt er bei Karl IV. an. Der schenkte Frankfurt nämlich nicht nur die Goldene Bulle, die den Reichtum Frankfurts mit begründete, sondern verpfändete auch die Juden an den Rat der Stadt. Sollte den Juden etwas zustoßen, so steht es in der Pfändungsurkunde, falle ihr gesamter Besitz an die Stadt. Nur wenige Tage nachdem Karl IV. Frankfurt verlassen hatte, wurden die Juden überfallen und ermordet.

 

DIE KAISERMACHER

  • Bis 14. Januar 2007 ist die Ausstellung „Die Kaisermacher - Frankfurt am Main und die Goldene Bulle" zu sehen.
  • Eintritt: Kombiticket für alle vier Ausstellungen: 12 Euro. Entwertet wird jedes Museum einzeln.
  • Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr; Mittwoch 10 bis 21 Uhr; am 3. Oktober, Weihnachtsfeiertage 10 bis 18 Uhr.
  • Mit dem Kaisertag feiert die Stadt am heutigen Samstag den ersten Ausstellungstag. Im Kaisersaal erzählt Michael Quast die unbekannte Geschichte der Kaiserwahlen. Durch die Stadt führen Björn Wissenbach und Silke Wustmann in historischen Kostümen. Treffpunkt ist der Gerechtigkeitsbrunnen. Kabarett und Stadtführung jeweils um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Der Eintritt ist jeweils frei. AK

    www.kaisermacher.de  Achtung: ein eigenwilliger Einstieg in die Navigation!

Frankfurter Rundschau – 30.9.06 - Mit freundlicher Erlaubnis der FR