Der Niedergang Roms hat im Taunus Spuren hinterlassen
Kastell Kapersburg wird hergerichtet und im Herbst für Besucher geöffnet/Forschungsergebnisse im Jahrbuch „Hessen Archäologie" veröffentlicht
VON OLAF VELTE

Rosbach - 30. Juni 2005 - Nach zwei Jahren der archäologischen Forschung auf der Kapersburg hat nun der Bagger die Kelle abgelöst. Bis zum Herbst soll das dortige Limeskastell, eines der am besten erhaltenen in Hessen, für Besucher herausgeputzt sein.

Derzeit sind Landschaftsgärtner damit beschäftigt, den Waldboden einzuebnen, die ehemaligen Schanzlöcher des US-Militärs aufzufüllen und eine historische Lagerstraße nachzubilden. Die Pflanzenwelt hat das alte Mauerwerk seit langem in Besitz genommen. Deswegen müssen die sichtbaren Gebäudefundamente großflächig saniert werden, bevor neue Informationstafeln und Bänke aufgestellt werden.

Die Abgeschiedenheit im Rosbacher Wald bietet für Elke Löhnig, Grabungsleiterin vom Museum Saalburg, beste Arbeitsbedingungen - dort drohen weder Autoverkehr noch Bautätigkeiten, eine so genannte Notgrabung unter Zeitdruck musste hier nicht durchgeboxt werden. So konnte das Team bereits 2003 für vier Monate in den Wald ziehen und während einer dreimonatigen Kampagne im folgenden Jahr die vorläufigen Ergebnisse überprüfen.

„Wir wollten die Eckdaten klären", sagt Löhnig zur Frage nach Anfang und Ende der römischen Besatzung. Gerade die ältesten Datierungen zum Beginn römischer Aktivitäten im Taunuswald seien nicht gesichert. Auch hofften die Archäologen, im Erdboden Hinweise auf die Spätzeit des Lagers zu finden: Wie wurde es während des langsamen Niedergangs genutzt? Kam es im Mittelalter zu einer erneuten Besiedlung auf der wüst gefallenen „Karpesserburgk"?

Die Experten gruben sich schließlich ins Kerngebiet des Lagers ein. In dieser Fläche verbergen sich alle römischen Bauphasen - weitgehend unberührt von früheren Grabungen. Vom ältesten Teil, einem Holzkastell, fanden sich nur wenige Überreste: Einige ungeordnet verlaufende Wandspuren ließen sich zeitlich nicht festlegen. Ebenso war der Epoche des Steinkastells, entstanden Mitte des 2. Jahrhunderts, wenig abzuringen. Hier werden weiterhin die Erkenntnisse der Reichs-Limes-Kommission gelten müssen - diese hatte ab 1892 den gesamten deutschen Limes auf 500 Kilometer Länge ins wissenschaftliche Visier genommen.

Jedoch sind die Zeichen des untergehenden Weltreiches nun geborgen und sichtbar. Wegen wachsender Bedrängung durch die Germanen igelten sich die Truppen ab dem Jahre 230 in der Nordostecke des Kastells ein. Dort legten die Forscher ein quadratisches Fundament frei, das anfänglich einem Wehrturm zugerechnet wurde. Je tiefer Schippe und Kelle gruben, desto mehr Fragen tauchten auf. Eine Kanalheizung strebte ins Innere, in der Nähe fand sich die zugehörige Feuerung. „Der beheizte Raum könnte der Kopfbau einer Mannschaftsbaracke sein", so die Archäologin, sich von der Idee eines Eckturms verabschiedend.

Zudem sind die Mauern schlampig zusammen gefügt - in großer Eile scheinen alle erreichbaren Materialien verbaut worden zu sein: Taunusquarzit, Ziegelbruch, auch ortsfremdes Gestein. Eine gerade Linie wollte den Baumeistern nicht mehr gelingen. Auch die mindere Qualität des gefundenen Geschirrs deutet auf den „Werteverfall" in der römischen Spätzeit hin. Da tritt, mitten in der Kapersburg, die dramatische Veränderung eines Weltgefüges offen ans Tageslicht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Grenzwall fiel. Zur Mitte des 3. Jahrhunderts kam das Ende. Weitere Besiedlungen auf dem Areal scheinen ausgeschlossen, kein einziges Fundstück ist germanischen Ursprungs. Auch Menschen des Mittelalters werden dort nicht gewohnt haben - sie nutzten nur die ehemalige Lagerstraße.

Einige bemerkenswerte Funde ändern nichts am Gesamtbild: ein vollständig erhaltener Topf, der einst Münzen verbarg und ausgeräubert zurück blieb, oder jener Rest einer Inschrift auf grobem Sandstein, deren dreizeilige Bruchstücke wohl ewig ungedeutet bleiben. „Seit 1991 bin ich bei Grabungen dabei, und hier finde ich meine erste Inschrift", freut sich Löhnig, deren Forschungsbericht im Jahrbuch „Hessen Archäologie" abgedruckt ist.

Heute haben das Land Hessen und das Saalburgmuseum die Oberhoheit über den Limespfad im Hochtaunus. Zwischen Glashütten und Ober-Mörlen erstreckt er sich über 30 Kilometer. Gelder aus dem hessischen Kulturinvestitionsprogramm haben die Erforschung und Sanierung der Kastelle Kleiner Feldberg und Kapersburg ermöglicht, wo nach getaner Arbeit mit Besuchern gerechnet wird. Alle Beteiligten hoffen nun auf die Anerkennung des Limes als Weltkulturerbe der Unesco. Im Falle der Kapersburg soll der Geist des Ortes bewahrt bleiben. Nur wer wandert, wird das Ziel erreichen, kein gastronomisches Gläserklirren soll die Ruhe stören. Elke Löhnig sagt: „Uns erwartet ein römisches Wald-Idyll."

Bis in das Kerngebiet des Lagers gruben die Archäologen, um alle römischen Bauphasen zu erforschen. Dabei gab es so manche Überraschung. Bild: Elke Löhnig / Saalburgmuseum

Frankfurter Rundschau - 1.7.05