Ein Restaurator für die Keltenfunde
Hattersheim:
Stadt und Denkmalschützer wollen Projekt gemeinsam finanzieren / Grabungsfeld wird zum Spielplatz

Von Andrea Rost

Armreifen aus Bronze liegen in den Vitrinen sowie Fingerringe und das keltische Tonei, das den Forschern nach wie vor Rätsel aufgibt. Einige der wertvollen Funde aus der Hattersheimer Nekropole werden in der Galerie des Nassauer Hofes noch in Plastikfolien verpackt zur Schau gestellt - ungeöffnete Brandgefäße aus Urnengräbern zum Beispiel oder Grabbeigaben, die noch restauriert werden müssen. Stadt und Land wollen dafür Geld geben. Vera Rupp, stellvertretende Leiterin des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege hält die Hattersheimer Funde sogar für so bedeutend, daß sie sie an die erste Stelle der derzeit laufenden Förderprojekte gereiht hat. Geht es nach dem Landesamt, soll die Restaurierung und die wissenschaftliche Auswertung über zwei bis drei Jahre durch das Landesprogramm für Denkmäler gefördert werden. Die Stadt Hattersheim hat bereits 40 000 Euro im Haushaltsplan 2009 eingestellt um eine neue Personalstelle für einen Restaurator zu finanzieren.

Keltenmuseum geplant

Das Geld wäre gut investiert, denn nach der fachkundigen Restaurierung werden die Funde zu 90 Prozent im Besitz der Stadt sein. Das Landesamt für Denkmalpflege will außerdem beim Aufbau eines Keltenmuseums helfen. Mehr als 50 Keltengräber seien bislang in Hattersheim Südwest gefunden worden, weiß Wilfried Schwarz, der das Stadtarchiv leitet. Außerdem wurden ein römisches und ein steinzeitliches Grab entdeckt. Letzteres barg die sterblichen Überreste der ältesten Hattersheimerin. Die Frau, die in Hockerstellung bestattet war, lebte wohl vor 4500 Jahren.

Hunderte Objekte haben die Archäologen im Laufe der letzten Jahre ans Tageslicht geholt. Beendet sind die Grabungen noch nicht. Wenn der vierte und letzte Bauabschnitt des Neubaugebietes Ecke Schulstraße/Dürerstraße erschlossen wird, soll es weitergehen. Weil der Investor, der das Areal entwickeln wollte, im Zuge der Finanzkrise abgesprungen ist, gebe es aber noch keinen konkreten Zeitplan, sagt Wilfried Schwarz. Fest steht indes, daß bis Ostern 2009 die Spiel- und Grünanlage zwischen der Leonhardstraße und der Dürerstraße fertiggestellt wird.

Wälle erinnern an Ur-Dörfer

Dort, wo die Archäologen noch bis vor kurzem gegraben haben, läßt die Stadt auf einer Fläche von mehr als 10 000 Quadratmetern Sport- und Spielgeräte für Kinder und Senioren aufstellen. Ein keltischer Baumkreis und ein Eichenhain sollen gepflanzt und Stelen und Steine zur Gestaltung des Geländes genutzt werden. Kleine Wälle an den Hauptzugängen werden an die Einfriedungen Keltischer Dörfer erinnern. Fast eine Dreiviertel Million Euro wird die Grünanlage insgesamt kosten; sie gehört zu den bedeutendsten Landschaftsbauarbeiten, die seit dem Bau des Regionalparks im Hattersheimer Stadtgebiet realisiert wurden.

Wenn im Frühjahr ein Fühlobjekt zum Hattersheimer Keltenei und die Steine aufgestellt werden, sollen die Kinder des umliegenden Wohngebietes im Zuge einer Kunstaktion daran mitwirken. Außerdem wird noch ein Name für die neue Grünanlage gesucht. Auf die Bedeutung des Areals in keltischer Zeit sollte sie auf jeden Fall hinweisen.
Ein Restaurator

Fundstücke aus der Keltenzeit - derzeit in der Galerie des Nassauer Hofs zu sehen.

 

AUSSTELLUNG

Die Ausstellung „Kelten am Glauberg und in Hattersheim": ist beendet.

Zusammengestellt hat sie das Landesamt für Denkmalpflege, die Stadt Hattersheim und der Hattersheimer Geschichtsverein.

Frankfurter Rundschau - 21.1.09 - mit freundlicher Erlaubnis der FR