Arbeitskreis erforscht Ortsgeschichte in Schwalbach
Vorträge, Veröffentlichungen und ein Heimatmuseum für Schwalbach sind geplant / „Spannend wie ein Krimi”

Die Schwalbacher Kulturkreis Gesellschaft hat einen neuen Arbeitskreis. Unter dem Titel Heimat und Geschichte wollen sich seine Mitglieder mit der Geschichte der Stadt und mit Familien- und Ahnenforschung beschäftigen und vielleicht ein Heimatmuseum einrichten.

SCHWALBACH - Wenn Richard Peters sich in alte Schriften vertieft, vergisst er die Zeit. „So zwei, drei Stunden" sitzt er täglich am Schreibtisch und versucht zu entziffern, was Pfarrer und Lehnsherrn, Bischöfe oder Chorleiter vor langer Zeit zu Papier gebracht haben. „Spannend wie ein Krimi" ist das für den 79-Jährigen.

Damit die Inhalte möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden können, haben Peters und 14 Mitstreiter Anfang November einen neuen Arbeitskreis innerhalb der Schwalbacher Kulturkreis Gesellschaft gegründet. „Heimat und Geschichte" lautet der Arbeitstitel.

Vorträge und Bücher geplant

Doch gleich, wie der endgültige Name lauten wird: Die Mitglieder haben sich schon überlegt, wie sie den Schwalbachern ihre Vergangenheit näher bringen können. Im Januar sollen verschiedene Vorträge angeboten werden, an denen sich auch Stadtarchivar Dieter Farnung und Michael Geisler, der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises, beteiligen.

Er selbst werde von Oskar Hudde berichten, dem Raubmörder aus Schalke, verrät Peters. Dieser habe vor 100 Jahren in Heldenbergen einen Pfarrer ermordet und ausgeraubt. Der Schwalbacher Pfarrer Anton Hartleib hingegen verdanke sein Überleben nur seinem guten Schlaf. Hudde habe dem schlafenden Geistlichen den Schlüssel zur Sakristei aus der Tasche geklaut und diese dann ausgeplündert. In seinem Prozess habe er zu Protokoll gegeben, dass er auch Hartleib getötet hätte, wäre dieser wach geworden und hätte ihn an dem Raub hindern wollen.

Außer den Vorträgen sind Ausstellungen geplant, die Herausgabe eines Schwalbach-Buches und eines über Schwalbacher Familien. Das letzte Schwalbach-Buch sei anlässlich der 1200-Jahr-Feier im Jahr 1981 erschienen, sagt Peters. „Ich habe inzwischen so viel neue Sachen recherchiert, dass es dicke für ein Buch reicht", fügt er hinzu.
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Geht es nach Richard Peters, würde das historische Schulhaus in Schwalbach zum Sitz des Heimatmuseums werden.

Fernziel ist es, ein Heimatmuseum einzurichten. Das historische Schulhaus in der Hauptstraße sei der ideale Standort. Um das 1792 gebaute, seit Jahren leer stehende Gebäude sanieren und einrichten zu können, bedürfe es allerdings vieler Spenden und Sponsoren, sagt Richard Peters.

Das sieht auch Erste Stadträtin Christiane Augsburger (SPD) so. Das Gebäude wäre ideal, aber ohne die Hilfe der Bürger bleibe das Heimatmuseum wohl ein Wunsch. Sollten sich aber ehrenamtliche Helfer und spendenwillige Bürger finden, werde sie „die Idee nach Kräften unterstützen". Augsburger war bei der Gründung des Arbeitskreises dabei und freue sich als gebürtige Schwalbacherin und als Stadträtin, dass sich Bürger engagieren, um die kommunale Geschichte zu erforschen und weiterzutragen, sagt sie.

Zusammenarbeit mit Stadtarchivar

Peters zumindest ist begeistert dabei und freut sich auf die enge Zusammenarbeit mit Stadtarchivar Farnung. Dieses Miteinander ist freilich nicht so neu wie der Arbeitskreis. Als Peters vor einigen Jahren die Chronik des 100 Jahre alten Kirchenchors fertig geschrieben hatte, brachte er eine Kopie zu Farnung. Der freute sich und erwähnte, dass auch die Schulchronik übertragen werden müsste. Danach kamen 300 Seiten mit Briefen aus der Zeit zwischen 1643 und 1780 an die Reihe. Darin regeln der jeweilige Erzbischof von Mainz, der Rentmeister in Königstein und der Schwalbacher Lehnsherr von Greiffenclau unter anderem, wer wen für welche Dienste zu bezahlen habe.

Manches Schriftstück ist in Sütterlin verfasst, anderes in einem Latein, das ganz anders ist als das, was Peters vor Jahrzehnten in der Schule gelernt hat. Und über Grammatik und Zeichensetzung haben sich frühere Generationen wenig Gedanken gemacht. „Da hat jeder geschrieben wie er wollte." Deshalb sei es oft ziemlich schwierig, ein Schriftstück richtig zu übersetzen und auch zu deuten. Das mit dem Wort „Gefalle" beispielsweise die Einkünfte eines Pfarrers gemeint waren, habe ihn zwei Wochen gekostet, erzählt Peters und lacht. RENATE HALLER

Frankfurter Rundschau – 6.12.05 - mit freundlicher Erlaubnis der FR