Eine Ideenschmiede für Erfinder
Hofheim: Stadtmuseum stellt vergessene Bürger in Buch und Sonderausstellung vor

Von Annette Friauf

Nehmen wir den Maler Jawlensky. Der russische Expressionist war immer wieder im Blauen Haus von Hanna Bekker vom Rath zu Gast. Oder den Kabarettisten Werner Finck. Mehr als 50 Male atmete der Künstler wie viele andere Schongeister am Taunus durch. Jawlensky und Finck sind nur zwei aus einer Liste mit 126 Namen aus dem Buch „Hofheimer Biographien". Das Stadtmuseum hat es als Beitrag zur Kultur- und Stadtgeschichte herausgegeben und zeigt eine Sonderausstellung mit dem Titel „Schon vergessen...? Hofheimer Biographien".

Buchautor Heinz Till (85) recherchierte zwei Jahre lang in Archiven und Museen, um Menschen vorzustellen, „die etwas für Hofheim getan haben" und dort kurze oder längere Zeit gelebt haben. Till ging es nicht nur um lokal und überregional bekannte Promis. Mit Hilfe des Ehepaars Monika und Günter Loos sowie Stadtarchivarin Roswitha Schlecker entstand ein mehr als 204 Seiten umfassender Namenskatalog mit auffallend vielen Erfindern. Was wiederum mit der Biographie des Autors zu tun haben mag. Der ehemalige Hersteller von Brauereianlagen pflegt einen Draht zur Wissenschaft. Oft erschien ihm „das Umfeld der Persönlichkeiten interessanter als die eigentliche Biographie".

Hofheim hat einige berühmte Söhne aufwachsen sehen. Der Gründer des Weltunternehmens Adolph Messer GmbH, heute Messergroup, etwa war der Sproß einer Hofheimer Metzgerfamilie. Oder Anton Flettner. Der Erfinder des ersten weltweit funktionierenden Hubschraubers drückte Anfang des 20. Jahrhunderts in Lorsbach die Schulbank. Noch mal geht es ums Fliegen: Rudolf Mohr drehte 1937 Kunststücke über der Hofheimer Hauptstraße, um seiner Tante zu imponieren. Knapp 40 Jahre später verunglückte Mohr tödlich.

Ein findiger Ingenieur für Brücken und Tunnel war Gerhard Bornhäuser. Er konstruierte die Macaibo-Brücke in Venezuela und lebte seit 1959 in Hofheim. Auch der Hoechst-Mitarbeiter und Erfinder des Klebstoffs Uhu, Werner Starck, wohnte dort und gründete den Hofheimer Tennisclub mit.

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum setzt auf Überraschungen nach dem Motto „Hätten Sie's gewußt"? Daß der Bio-Chemiker Heinrich Öppinger, Pionier bei der industriellen Herstellung von Penicillin in Deutschland, auch ein Bürger Hofheims war. Oder der Pomologe Richard Zorn etwa 1000 Apfel- und Birnensorten beschrieben hat. Seine illustrierten Studien sind in einer Museumsvitrine ausgestellt. Ebenso wie die kunstvoll gestalteten Chroniken von Gustav Jakob Kyritz, Gastwirt des ehemaligen historischen Lokals „Landsberg".

Frauenmangel

Alles wichtige Söhne. Und die Frauen? „Ich habe alle, die ich nur erreichen konnte, in das Buch integriert", versichert Autor Heinz Till. Zu den 20 Damen zählen die Rotkreuz-Schwester Maria Kippert, die erste weibliche Stadtverordnete Katharina Kemmler, die baltendeutsche Malerin und Teppichweberin Ida Kerkovius sowie die Symbolfigur Ambet. Viel mehr einflußreiche Hofheimerinnen kennen die Archive nicht. Auch auf den Tafeln der Sonderausstellung sind Frauen deshalb rar.


AUSSTELLUNG UND BUCH
Die Ausstellung ist geschlossen.
Das Buch von Heinz Till 
„Hofheimer Biografien" ist in einer Auflage von 500 erschienen. Es kostet 24 Euro.

Chronik Jakob Kyritz

Kunstvoll und geschichtsträchtig:
Die Chroniken des Hofheimer Gastwirts Gustav Jakob Kyritz

Frankfurter Rundschau – 7.3.08 - mit freundlicher Erlaubnis der FR