Pastillen und Porzellantassen
Bad Soden: Das Stadtmuseum arrangiert seine Exponate neu / Erste Räume sind fertig

Von Annette Friauf

Souvenirs, Souvenirs - Bad Soden sprudelt vor Kitsch. Ortsansichten zieren Täßchen und Becherchen. Ganz zu schweigen von etwa 1.500 historischen Postkarten, nostalgisch verblichen und pastellfarben koloriert. Der Fundus des Stadtmuseums ist reich, die Fläche indes begrenzt. Selten betrachten Menschen die Ausstellung im Badehaus ein zweites Mal. „Mehr Dynamik" ist das, was das Museum laut Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU) braucht.

Fortan sollen die Exponate häufiger gewechselt und themenbezogen zu Sonderschauen geordnet werden. Die Stadt investiert 20.000 Euro in ein wissenschaftlich erstelltes Gestaltungskonzept, das Stück für Stück umgesetzt wird. „Diese Investition ist ein Fundament, damit Zuschüsse fließen können", so Altenkamp.

Das Land übernimmt knapp die Hälfte und beteiligt sich an der Neugestaltung. Allein 12.000 Euro kostete das Design für den langgezogenen, schmalen Flur, von dem aus die Museumsräume - sieben ehemalige Badekabinen - abzweigen. Texttafeln mit geschichtlichen Ereignissen ziehen sich chronologisch entlang. Der buchstäblich rote Faden beginnt im Mittelalter. Kaiser Sigismund bestätigt 1434 die Privilegien der Reichsfreiheit für Soden und Sulzbach. Besucher erfahren, wie sich das Heilbad zwar nicht zu einem mondänen Kurort, aber doch zu einer anziehenden Adresse für berühmte Leute wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Brüder Tolstoi entwickelt hat.

Wie andere Betuchte verbrachte das Fabrikantenehepaar Amalie und Enoch Reiß die Sommer dort. Ihre Porträts, gemalt von Otto Scholderer, wurden jüngst restauriert. Im selben Raum hängen Landschaften lokaler Künstler. In anderen Kabinen soll die Ortshistorie von Altenhain und Neuenhain sichtbar werden.

Ein anderer, blau gestrichener Raum ist der Mineralwasser- und Pastillenproduktion gewidmet. Eine alte Holzwanne, Krüge und Henkelbecher erzählen von anno dazumal. Werbemarken im Jugendstil-Look - leider nur in Originalgröße als Sammelbildchen dargestellt - dokumentieren die Epoche, als „Fay's ächte" und „Schutt's ächte" Mineralpastillen um Kunden wetteiferten.

Unerwartet begegnen Museumsbesucher in diesem Raum dem Namen Anne Frank. Der Großvater war im Pastillen-Geschäft. 1933 schied die Familie aus der Vertriebsgesellschaft aus und flüchtete wenig später nach Amsterdam. Auch dies ist Teil der Stadtgeschichte: Im Dritten Reich wurde Bad Soden Sitz der Kreisverwaltung der NSDAP. Jüdische Geschichte soll laut Museumsleiterin Simone Reuter im nächsten Jahr ein Schwerpunktthema werden.

„Geschichten" gibt es laut Reuter genug zu erzählen. Etwa die von der Dienstmagd Anna Katharina Dusz, die 1754 als Kindsmörderin verurteilt und hingerichtet wurde.

Stadtmuseum Bad Soden

Kitsch aus dem Kurort - nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichen Museumsfundus in Bad Soden.

 

STADTMUSEUM

Die Ausstellung wurde 1998 im Badehaus im Alten Kurpark eröffnet. Davor existierte ein Heimatmuseum.

Geöffnet ist sonst mittwochs, samstags und sonntags, 15 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung, 0 6196 / 20 82 54.

Frankfurter Rundschau - 30.11.07 - mit freundlicher Erlaubnis der FR