Eschborns Ehrenbürger Wehrheim wurde 80

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Auch Stadtverordnetenvorsteher Horst-Günter Döll (Mitte) und Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (links) gratulierten Ehrenbürger und Bürgermeister a.D. Hans Georg Wehrheim (rechts) herzlich zu seinem 80. Geburtstag. Speckhardt erinnerte in seiner Rede an die Leistungen und Erfolge Wehrheims für die Stadt. In seiner Dankesrede warb Wehrheim bei Bürgerschaft und Politik dafür, „gemeinsam den Erfolg zu suchen und auch gemeinsam zusammenzustehen". Wehrheim, seine Verwaltung und seine Zeit: „ Wir hatten Visionen für die Entwicklung Eschborns. "

Hans Georg Wehrheim, Ehrenbürger unserer Stadt, war 18 Jahre lang Bürgermeister in Eschborn. Am Montag wurde er 80 Jahre alt und mit einem Geburtstagsempfang der Stadt im Rathaus geehrt. Stadtverordnetenvorsteher Horst-Günter Döll konnte zahlreich Verwandte, Freunde und Weggefährten aus der damaligen Amtszeit Wehrheims begrüßen, politische Freunde des Sozialdemokraten ebenso wie Freunde aus Turnverein, Tennisclub und seinem noch immer aktiven Golfclub. Döll sprach von der Ausstrahlung Wehrheims, die ihn von jeher begleitet habe, er sprach von der Gestaltungskraft des einstigen Bürgermeisters, die bis heute in Eschborn nachwirkt, und er sprach von den vielen Festen mit HGW, die in Erinnerung geblieben sind.

Bürgermeister Wilhelm Speckhardt hielt die Laudatio auf den „Baumeister Eschborn", wie Hans Georg Wehrheim zu recht genannt wird. „Er hat die Entwicklung unserer Stadt 18 Jahre lang aktiv mitgestaltet und unser heutiger Erfolg geht entscheidend auf seine Ideen und Vorstellungen während seiner Amtszeit zurück", sagte Speckhardt. Bis 1979 habe Wehrheim die Geschicke unserer Stadt gelenkt. Seit 30 Jahren trage er nun keine politische Verantwortung mehr und gleichwohl sei er noch präsent und in aller Munde. Seine Popularität sei nicht auf Eschborn beschränkt, sondern wirke in der gesamten Region nach. Hans Georg Wehrheim habe in seiner Amtszeit mutige Entscheidungen gefaßt, die die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufsprung Eschborns waren. „Dabei halfen ihm parteiübergreifend verantwortungsbewußte Mitstreiter, die er für seine Ideen gewinnen konnte", so Speckhardt „Es war eine Zeit des Aufbruchs und ihm kam zugute, daß die Bedenkenträgeritis und Neinsagermentalität noch nicht so ausgeprägt war wie heute". Die Menschen seien damals noch hungrig nach Erfolg und wirtschaftlicher Entwicklung gewesen, sonst hätte Wehrheim seine Ziele nicht erreichen können.

Speckhardt stellte heute eine gewisse Wohlstandsträgheit fest - nach dem Motto, was brauchen wir immer noch mehr, wir haben doch genug. Jedoch „Stillstand ist Rückschritt, wenn man in dieses Fahrwasser gerät, kommt man nur schwer wieder heraus, die Stadt wird dann abgehängt" , warnte der Bürgermeister bei dieser Gelegenheit. Wenn er in seiner Laudatio auf die Vision und das erfolgreiche Wirken Wehrheims als Bürgermeister schaute, wünschte Speckhardt sich für seine eigene Zeit als Bürgermeister: „Ich wünsche mir auch heute diese Aufbruchstimmung, wie sie in jenen Jahren von allen kommunalpolitischen Aktiven, aber auch von den Einwohnern verkörpert wurde". Dies ein deutlicher Hinweis auf die Diskussionen im Stadtparlament heute.

Hans Georg Wehrheim freute sich in seiner kurzen Dankesrede, daß heute mit Umsicht und Tatkraft die Entwicklung Eschborns weitergeführt werde - dies ein deutlicher Hinweis auf die Arbeit Speckhardts und seiner Mitstreiter. Wehrheim, der gerade von einem Urlaub auf Rügen zurückgekommen war, zeigte sich erfreut auf alte Mitstreiter und Wegbegleiter in der Region, die zu seinem Geburtstagsempfang gekommen waren, wie Veronika Winterstein, die einstige Landtagsabgeordnete, Walter Herbst, ehemals Bürgermeister von Steinbach, und der evangelische Pfarrer Helge Richter. Und die Sozialdemokraten Reinhard Zander und Rembert Behrend aus dem damaligen Planungsverband. Die damals geschaffenen Regionalen Grünzüge seien das Beste, was getan werden konnte. Damals wurden die Auswirkung der Luftströme vom Taunus über Eschborn nach Frankfurt berücksichtigt mit dem Erfolg, daß die Vorplanung von 10.000 Einwohnern zwischen Eschborn und Niederhöchstadt in den Papierkorb geworfen wurden, erinnerte Wehrheim. „Es war eine schöne Zeit, wo alle Fraktionen und Parteien verbunden und zusammengestanden waren", sagte er. Und er betonte: „Die Stadtplanung damals hat uns heute Recht gegeben".

Die musikalische Umrahmung war von Helmut Herkenroth (Klavier) und Christiane Bergmann (Violine). Bei einem schmackhaftem Büffet und guten Getränken gab es noch einige schöne Stunden bei lebhaften Gesprächen zwischen alten Freunden und Bekannten von Hans Georg Wehrheim, der sich aktiv, körperlich fit und bester Gesundheit zeigte.

Daß in der einstigen 3000-Seelen-Gemeinde Eschborn - damals ein Kaff mit Misthaufen am Rande der Metropole Frankfurt - inzwischen Weltfirmen angesiedelt haben und Eschborn zu einer der reichsten Städte Deutschlands herangewachsen ist, ist Wehrheim zu verdanken, weil damals eine Vision und ein Stück Portion Mut zum Risiko im Gepäck mitbrachte, mit denen er am Reißbrett die Konturen der Entwicklung Eschborns begann Hans Georg Wehrheim wurde Kreistagsabgeordneter, Mitglied im Umlandverband und tätig im Abwasserverband. Seine von ihm eingeschlagene Richtung wurde von seinen Nachfolgern im Rathaus bis heute weitergeführt. In den Diskussionen im Stadtparlament wird Wehrheims Name immer wieder nicht von ungefähr über die Parteien hinweg genannt. Wie selbstverständlich wurde er Ehrenbürger der Stadt.

Auch nach seinem Weggang wurde er gefragt, war 20 Jahre lang selbstständiger Unternehmensberater für Projektmanagement, tätig für große Bauträger und kommunale Versicherer. Nach der Wende war er in den neuen Bundesländern beim Aufbau von Wasser- und Abwasserverbänden und Stadtwerken beschäftigt. Vor allem mit seinem geliebten Golf, mit Reisen und mit Gartenarbeit, besonders mit der Pflege von Rosen, genießt er sein Leben. Vor etlichen Jahren hat er seine langjährige Lebensgefährtin Marlies Winkler geheiratet, sie wohnen jetzt in Schwalbach. Die dortige SPD hat ihn Anfang des Jahres für 50-jährige Mitgliedschaft in .der Partei geehrt.

Hans Georg Wehrheim stammt aus einer Familie von Maurermeistern und kleinen Bauunternehmern in Bad Homburg. Gerne wollte er Bauingenieur werden. Stattdessen nahm er die Möglichkeit wahr, 15-jährig gleich nach dem Krieg eine Verwaltungslehre in seiner Heimat zu beginnen, die er als Diplom-Volkswirt abschloß. Er war später bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg, dann bei der Stadtverwaltung in Oberursel, wo ihn das Angebot erreichte, Bürgermeister in Eschborn zu werden. Dort wählte ihn am 21. März 1961 das Gemeindeparlament einstimmig zum jüngsten Bürgermeister Hessens. Fortan wurde er der Baumeister des heutigen Eschborns, Designer eines Büro- und Handelszentrums im Vordertaunus und eine Wohnstadt im Grünen. Die geographische Lage hatte die Möglichkeiten der kleinen Gemeinde sofort erkannt. „Bauen und Planen lagen mir einfach im Blut" sagt er. Ihm kam zugute, daß gerade bei seinem Amtsantritt in Eschborn den Städten und Gemeinden die Planungshoheit übertragen wurde. Und daß der Wortmann-Plan, der Vorgänger des Regionalplanes, Eschborn zu einem gewerblichen Siedlungsschwerpunkt ausgewiesen wurde. Dieser Schlüssel zu Eschborns Entwicklung machte Frankfurt dann später zu schaffen. „Was will den eigentlich dieser Dorfbürgermeister?" kam Wehrheim zu Ohren. „Wir wollten gewisse Industrie herholen, Unternehmen ohne Lärm, Rauch und Ruß", sagt er. „Schließlich sollten hier auch viele Menschen wohnen, nahe ihren Arbeitsplätzen".

Mit der Finanzierung der Entwicklung gelang Wehrheim sein Meisterstück. „Die Gemeinde war arm wie eine Kirchenmaus", erinnert er sich. „Uns gehörten nur das alte Rathaus und der Friedhof, doch kein Gelände, das war alles privat als Bauernland". Vorrangig sei es gewesen, Grundstücke ins Eigentum der Gemeinde zu bekommen, „um zu bestimmen, wer sich in Eschborn ansiedelt", so Wehrheim. Das Land gab Darlehensgenehmigungen in Millionenhöhe zur Vorfinanzierung von Gewerbeflächen mit dem Risiko, darauf sitzen zu bleiben. Das Steueraufkommen der Gemeinde war klein, die Siedlungsvorhaben - Gewerbegebiet Ost, Süd, West, Wohngebiete Stadtpfad, Berliner Straße, Hanseatenviertel - sprengten eigentlich den Rahmen der Haushalte. Wehrheim erinnert sich, wie er manches Mal schwitzte. Einmal hatte der damalige Landrat Dr. Wagenbach, als er in Eschborn weilte, etwas erschrocken zu ihm dem jungen Bürgermeister mit dem Hinweis auf die Baukräne gesagt: „Herr Wehrheim, haben Sie diese Bauwut auch wohl überlegt?" In jedem Kaufvertrag stand die Klausel, daß er erst wirksam wird, wenn alle Grundstücke an die Gemeinde verkauft waren. Ihm sei immer Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern gelungen, sagt der Alt-Bürgermeister mit Genugtuung. Ihm sei gelungen, die Stadtentwicklung in der Hand zu behalten, sie zu steuern, auch mit den Risiken, als Millionen Erschließungskosten bewegt wurden. Und ihm sei gelungen, potente Firmen für Eschborn auszusuchen, die dann auch Erschließungskosten bezahlten und später Gewerbesteuer, damit im Rathaus nicht der Bankrott einkehrte. Auf Wehrheim wurde man weithin aufmerksam mit seiner Finanz- und Bodenpolitik, landauf, landab hielt er Vorträge. 1963 zogen die ersten Firmen in Eschborn Süd ein, voran die ersten Häuser der Mode.

Mit den örtlichen Parteien hatte der Bürgermeister ein gutes Verhältnis (mit Landwirten in allen Fraktionen), für seine Ideen und Planungen konnte er sie immer wieder überzeugen. Wehrheim, seit 1959 Sozialdemokrat, hatte ständigem Kontakt zur Opposition, alle wegweisenden Beschlüsse zur Entwicklung wurden im Parlament einstimmig gefaßt. Bürger und fachkundige Eschborner ohne Mandat wurden in der Planungskommission berufen (die nach seinem Weggang wieder abgeschafft wurden). Wehrheim, die Kommunalpolitiker und die Bürger heimsten Lob ein, als Eschborn 1966 den Bundeswettbewerb „Bürger, es geht um Deine Gemeinde" gewann, dessen Goldplakette Wehrheim von Bundespräsident Heinrich Lübke in Bonn überreicht wurde.

Als große Leistung sieht Wehrheim den Zusammenschluss von Eschborn und Niederhöchstadt 1971, im Einvernehmen aller Parteien. „Ich hatte das, was auch der Alte Fritz sagte: ich hatte immer Fortune", sieht er rückblickend. 1977 bekam er das Bundesverdienstkreuz. Wegen hessischer Links-rechts-Parteiquerelen verlor die SPD ihre Mehrheit nach der Kommunalwahl 1977 auch in Eschborn und HGW sein Amt 1979. „Ein großer Bürger" (damals Landrat Dr. Löwenberg, CDU) mußte gehen. Der damalige evangelische Pfarrer Helge Richter überreichte ihm zum Abschied zwei Orgelpfeifen, „weil Sie gezeigt haben, daß Sie auf vielen Registern spielen und mit großen und kleinen Pfeifen umgehen können". Auch noch im Ruhestand beobachtet Wehrheim aufmerksam die Entwicklung der Stadt, seinem „Masterplan", wie er sagt. Und hin und wieder sieht man ihn, wie er ins Rathaus kommt. Mit Bürgermeister Speckhardt pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis. ks

Eschborner Stadtspiegel - 23.7.09

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