Flurnamen der Stadt Eschborn 2

Nachdem schon die Flurnamen Niederhöchstadts durch Gerd S. Bethke vorgestellt wurden, folgt nun das Hauptwerk, das über Eschborn. Das wollen wir Ihnen - selbstverständlich! - nicht vorenthalten.

Flurnamen Eschborn 2 001

An dieser Stelle können wir “nur” in Auszügen darauf aufmerksam machen, wollen aber Sie, verehrte Leserinnen und Leser, mit ein paar knappen Hinweisen zielstrebig auf das Werk neugierig machen.

    Über den Inhalt:
    Vorwort 5
    Einleitung 7
    Erläuterungen 13
    Güter & Höfe 15
    Namen 29
    Quellen & Literatur 133

    Titelseite:
    Die Umgebung von Eschborn 1804
    Verjüngter Geometrischer Grundriss über sämtliche Chaussee und Poststraßen in den hiesig Fürstlich Nassau Usingischen Landen auf gnaedigsten Befehl in A° 1804 mit der generalrenovatur Ruthe gemessen verzeichnet und in Chaussee Maas reduciret durch den Geometer Brühl.

Auszug aus...
Einleitung:

Eschborn liegt inmitten des sogenannten Altsiedellandes auf fruchtbarem Lößboden. Bereits zu der Zeit, als das Gebiet zwischen Limes und Main zum Römischen Reich gehörte, zwischen Christi Geburt und dem Jahr 260, lagen im Gemarkungsgebiet landwirtschaftliche Güter. Nach den Römern siedelten hier Alamannen, die ein Gräberfeld aus dem 5. Jh. hinterließen.G.S. Bethke - DSCF5535

Ob die dazugehörige Siedlung an der gleichen Stelle lag wie das spätere Dorf Eschborn, wissen wir nicht. Die moderne Siedlungsforschung nimmt im Allgemeinen eher an, dass eine mehr weiler- und einzelhofartige Siedlungsstruktur des frühen Mittelalters bis zum Hochmittelalter erst allmählich zu Dorfsiedlungen zusammenwuchs. Den Ausschlag gab dabei meist der feste Platz für eine Kirche, in Eschborn war es der Westerbachübergang.

Dreihundert Jahre nach der alamannischen Siedlung tritt uns dann der Ort Eschborn entgegen. Zwischen 770 und 851 erhält Kl. Lorsch an der Bergstraße ein Dutzend Schenkungen in Aschenbrunne. Einige davon betreffen auch Ober-/Niederhöchstadt und Schwalbach. Bemerkenswerterweise befinden sich unter den Schenkungen auch Weinberge.

Schon seit längerem wird vermutet, bei der im Jahr 774 in Aschenbach (Eschbach) dem Kl. Lorsch geschenkten Kirche des hl. Lambert handele es sich tatsächlich um Eschborn und dessen Lambertkirche. Von der Kirche heißt es ausdrücklich, sie stehe auf der ebenfalls geschenkten Hofreite, es handelt sich also um eine Eigenkirche. Die Hypothese ist wahrscheinlich richtig, denn das Lambert-Patrozinium kommt im oberhessisch-nassauischen Raum nur ein einiges Mal vor - nämlich in Eschborn.

Während wir vom Besitz des Klosters Lorsch aus späterer Zeit keinerlei Nachrichten haben,  wird die Eschborner Kirche auch in einer anderen frühen Quelle erwähnt.

Sicher auf Eschborn bezieht sich jedenfalls der Bericht in den Fuldaer Annalen, wonach im Juli des Jahres 875 ein im Niddagau gelegenes Dorf namens Asgabrunno (nam villa quaedam in pago Nitense, nomine A.) durch eine plötzliche Überschwemmung und starke Regen völlig zerstört worden sei. Dabei seien 88 Menschen ums Leben gekommen. Der Regen habe alle Bäume und Weinstöcke des Dorfes mit der Wurzel ausgerissen, die Häuser zerstört und Vieh und Hausrat dem Untergang preisgegeben. Kirche und Altar seien völlig zerstört worden und die Gewalt des Wassers hätte Särge aus ihren Gräbern gerissen.

Wie immer Eschborn zuvor ausgesehen hatte, das wieder aufgebaute Dorf war dann ein Straßendorf, das von einer Landstraße gekreuzt wurde. Die Dorfstraße verläuft noch heute auf beiden Seiten des Baches, und lediglich die Burg und einige herausgehobene Höfe wie der Stephanshof oder einzelne herrschaftliche Höfe und das Gasthaus Gehspitz lagen nicht unmittelbar an der Dorfstraße. Die Landstraßen von Mainz nach Friedberg und die von Frankfurt nach Königstein und weiter nach Köln überquerten ursprünglich hier den Westerbach, an der Kreuzung mit der Dorfstraße liegt die Kirche.
[...]

Mit der Flurbereinigung von 1899 wurde dann ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit vollzogen. Bis auf den Ortskern erinnert so gut wie nichts mehr an die Distrikte von 1869, geschweige denn noch ältere Gewanne. Mit Erschließungswegen wurde ein rechtwinkliges Gitter über die Feldmark gelegt, das rein gar nichts mit dem alten Wegenetz zu tun hatte. Anlässlich der Grenzveränderungen im Zuge des Autobahnbaus 1936 wurde das Gebiet jenseits der Homburger Eisenbahn erneut verändert; die Fluren 23-25 entfielen ganz, 20, 26 und 28 teilweise. Sie wurden durch die neuen Fluren 37-41 ersetzt. Distrikte und Flurnamenlandschaft veränderten sich dadurch nochmals.

Welche Auswirkungen das auf Gewanne und Distrikte und damit auf die Flurnamenlandschaft hatte, ist exemplarische an der Entwicklung des Nordostens der Eschborner Gemarkung jenseits der Homburger Eisenbahn dargestellt (S. 130/131).”

Mehr... im Original

Erläuterungen:
“Aufgenommen wurden grundsätzlich alle in den Quellen vorkommenden Namen; Varianten sind gewöhnlich zusammengefasst. Lediglich wenn Parzellen nach dem Namen des Besitzers benannt wurden und dieser Name nur in einer Zeitperiode vorkommt, also nicht namenbildend wurde, wird dies nicht als Flurname gewertet (in Eschborn betrifft dies insbesondere Gärten).

Bei den Flurnamen ist jeweils die Schreibweise der Quellen angegeben (deshalb wurde dabei auch die für uns heute ungewohnte Schreibweise Cronberger... beibehalten). Groß- und Kleinschreibung sind dem heutigen Gebrauch angepasst. Die Zahl der Parzellen und die Größe des Gewanns lässt Rückschlüsse auf die Bedeutung zu.

Die Namen sind alphabetisch geordnet nach den enthaltenen Substantiven und Adjektiven (alt, breit, groß, hoch, klein, lang, neu, ober, unten), ebenso wird mit Zahlen und Zahlwörtern (8, hundert) verfahren; Artikel und Präpositionen (an, auf, in, hinter, links, rechts, über, unter, vor) bleiben dagegen unberücksichtigt, ebenso wie die Formen stößt auf, auf der vordersten! hintersten ...
[...]”

Güter und Höfe:
“Arnsburg (Kloster)
1174
stiftet Kuno v. Münzenberg in Burg und Dorf Arnsburg eine Zisterzienserniederlassung anstelle eines zwei Jahrzehnte zuvor gegründeten Benediktinerklosters. Es wird im Lauf der Zeit zum reichsten Kloster der Wetterau.

1286 verkauft ein Frankfurter Bürger dem Kloster eine Hufe in Eschborn.

1595 verleiht das Kloster 10 Huben 2 Morgen zu Eschborn an Eschborner Einwohner (S 3577).

1802 durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben und dem Gesamthaus Solms übereignet (einschließlich des Besitzes in Eschborn).

1810 verkauft der Graf v. Solms-Rödelheim 66 Morgen Arnsburger Besitz (davon 59 in Eschborn, der Rest in Schwalbach, Rödelheim und Praunheim) an den Eschborner Reinhard Zimmer und Consorten für 6296 fl.

Bartholomäussstift
852
gründet König Ludwig d. Deutsche an einem der Vorgängerbauten des Frankfurter Doms das Salvatorstift, das im 13. Jh. mit der Übertragung einer Bartholomäusreliquie wie der Dom den Namen dieses Apostels annahm. 1803 aufgelöst.

1360 besitzt die Vikarie Laurencii des Stifts in Eschborn einen Hof mit 5 Hufen 10 Morgen Land (Wolf Erich Kellner, Das Reichsstift St. Bartholomäus zu Frankfurt im Spätmittelalter (Studien zur Frankfurter Geschichte 1), Frankfurt am Main 1962, S. 137). Das Stift wird bis in die Mitte des 16. Jhs. als Nachbar genannt und verschwindet dann aus der Überlieferung.

Das Stift scheint seine Güter (oder das was Mitte des 16. Jhs. noch vorhanden war) an die Herren v. .Kronberg verkauft zu haben: wo 1546 noch das Stift als Nachbar genannt wird, steht 1583 Wolfgang v. Kronberg; so bei Stücken am Bruch, im Hanacker, ohwendig der Friedherger Straßen, obwendig der Neuen Gassen, unwendig dem Schneitwege, im Meuser, außwendig des Steinbacher Wegs und obwendig dem Nespelgarten.”

Namen:
18 Morgen, Unter den *
1823 und 1853 sieben Wiesen- und drei Ackerparzellen auf den / auf die 18 Morgen; der Oberpfaffenacker auf den 18 M.
...

alte Beune
1556 hat der Graf v.Solms im Feld nach Steinbach einen Acker hinder der alten Beunen, stoist uffs Steinbecher Feit, zwei andere liegen uff der alten Beunem, .. .stoist oben uffs Steinbacher Feit.

L:   Das Gewann scheint bis in Niederhöchstadter Gemarkung zu reichen, jedenfalls verpachtet Graf Magnus v. Solms 1568 knapp zwei Morgen uff der alten Beunen gelegen im Niddern Hexster Gepiede zur Anlage eines Weingartens.
...

alte Kapelle = Laurentiuskapelle

alten Höchster Weg, Am
1822
und früher = Höchster Weg.
1838 bei der Vermessung der gemeindeeigenen Grundstücke und Wege Alter Höchster Weg. 1853 liegen 17 Ackerparzellen am alten Höchster Weg.
…”

Quellen:
875
  MGH, scriptores in folio I, Annales et chronica aevi Carolini, 1826 [Annales Fuldenses]
1008 MGH, DIPLOMATA, Die Urkunden Heinrichs II, 1902-03, Nr. 180
um 1150
Mainzer Urkundenbuch, 2. Band von Peter Acht, Darmstadt 1968, Nr. 148
1286 UB FFM 1 Nr. 515 [Verkauf einer Hufe an Kl. Arnsburg]
...”

Das Original-Werk ist erhältlich u.a. im Stadtarchiv Eschborn bei Gerhard Raiß. Für einen ganz kleinen Obulus. Sie werden diese Arbeit mit Neugier und Begeisterung studieren.
Greifen Sie zu!

Flurnamen Eschborn 2 002

 

 

 

 

 

Von Zygen Worgel & Co.
Eschborn: Buch klärt über alte Flurnamen auf

Die Flurnamen in Niederhöchstadt hat Gerd Bethke bereits im Frühjahr untersucht. Jetzt hat der Heimatforscher auch Bedeutung und Herkunft der Eschborner Benennungen unter die Lupe genommen. Vom Alten Höchster Weg bis zum Zygen Worgel sind die alten Namen, die Lage der Fluren und historische Begebenheiten beschrieben. So verbergen sich in den alten Namen Hinweise auf die Gegebenheiten und Besonderheiten der Gemarkung. Sie geben noch heute Einblicke in die vor Jahrhunderten vorherrschenden Besitzverhältnisse. Auch charakteristische Bodenmerkmale oder der Verlauf von Gewässern schlug sich vielfach in den Bezeichnungen nieder.

Die 137 Seiten starke Museumsschrift inklusive Flurkarte kostet 2 Euro und ist im Museum, Eschenplatz 1, erhältlich.      cho

Frankfurter Rundschau - 2.12.09 - mit freundlicher Erlaubnis der FR

Werfen Sie noch einen Blick auf unsere Karten mit den Flurnamen von Eschborn und Niederhöchstadt - das war die Vor- Information. Mehr...