Gläser und Fibeln aus Eschborn in Berliner Schau
Alamannische Fundstücke finden Anerkennung
Von Christine Vaternahm

50 Gräber aus der Epoche der Alamannen sind vor vielen Jahren in Eschborn gefunden worden. Einige der geborgenen Grabbeigaben, die durch einen glücklichen Zufall gerettet wurden, erhalten jetzt neue Beachtung. In Berlin und Bonn werden sie in Ausstellungen über die Entwicklung der Archäologie in Deutschland während des vergangenen 25 Jahre gezeigt.

ESCHBORN. Bauarbeiter hatten vor vielen Jahren die Gräber und Beigaben der Alamannen auf Eschborner Gemarkung zu Tage gefördert. Dass diese gerettet wurden und letztlich für sie das Stadtmuseum entstand, ist vor allem dem Stadtarchivar und Direktor des Museums, Gerhard Raiss, zu verdanken, der die Bedeutung der Stücke erkannte und sich um ihren Erhalt bemühte.

Die Gläser, Fibeln, Nadeln und Werkzeuge aus dem 4. bis 5, Jahrhundert nach Christus sind seitdem in Vitrinen im Stadtmuseum am Eschenplatz zu bestaunen. Doch zurzeit klaffen Löcher in den sonst gut bestückten Schränken, es herrscht eher gähnende Leere, denn lehrreiche Fülle. Viele Stücke sind verliehen, wohlverpackt nach Berlin gereist, und werden so bald auch nicht wieder in Eschborn zu sehen sein. Denn anschließend wandert die Schau in die alte Bundeshauptstadt Bonn.

Seit Anfang Dezember 2002 ist im Martin-Gropius-Bau in Berlin die erste Ausstellung über die Archäologie aller deutschen Bundesländer aus den vergangenen 25 Jahren zu sehen. Gut 4000 Fundstücke verdeutlichen Besucherinnen und Besuchern die Geschichte der Erde und ihrer Bewohner von ihrer Entstehung bis zur Gegenwart. Erstmals werden dabei auch Ergebnisse und Fortschritte der Forschung in Ost- und Westdeutschland dargestellt. „Der zeitliche Bogen erstreckt sich von der Erdgeschichte bis in die Moderne, vom Landgang der Pflanzen bis zum Zweiten Weltkrieg", heißt es in der Ausstellungsbeschreibung.

Erklärt werden außerdem die Bedingungen der Unterwasserarchäologie, die Möglichkeiten, mit Luftbildern zu arbeiten, die Bedeutung großflächiger Siedlungs- oder Stadtkernarchäologie. Darüber hinaus vermittelt die Schau einen Einblick in neueste Datierungsmethoden, Vermessungstechnologie und Restaurierungstechniken.

Zahlreiche Funde aus Hessen, etwa Fossilien aus der Grube Messel oder die Funde der keltischen Fürstengräber vom Glauberg, sind zu sehen. Thematisiert werden die Varusschlacht der Römer bei Kalkriese, die germanischen Fürstengräber von Hagenow und Gommern, die frühmittelalterliche Siedlung von Lauchheim oder die Grabungen im mittelalterlichen Lübeck. Aus der jüngeren Vergangenheit sind Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen, die sich im Erdreich fanden.

Eschborn hat neben hervorragend erhaltenen Glasbechern aus den alamannischen Gräbern fein gearbeitete Haarnadeln beigesteuert, die mit kleinen Menschenköpfen verziert sind. Außerdem Fibeln, die dazu dienten, Kleidungsstücke zusammenzuhalten, und ein silbernes Sieblöffelchen. „Dass unsere Stücke in der Ausstellung gezeigt werden, unterstreicht die Bedeutung des Gräberfeldes, das in Eschborn gefunden wurde", sagt Museumsdirektor Gerhard Raiss.

Mehr als 50 Wissenschaftler aus der Denkmalpflege, aus Museen und Universitäten aller 16 Bundesländer haben sich an der Vorbereitung der Ausstellung beteiligt. Und das Interesse des Publikums ist groß: Seit ihrer Eröffnung im Dezember haben laut Manfred Nawroth vom Ausstellungsbüro bereits mehr als 90.000 Menschen die Schau besucht. Am Wochenende werde man gewiß den 100.000. Besucher begrüßen können, glaubt Nawroth. In einem Umfeld, das große Konkurrenz bietet, sei das ein außerordentlicher Erfolg für diese Schau, die die Bedeutung der Landesarchäologie anhand neuer Forschungsergebnisse verdeutlichen und für die Bodendenkmalpflege werben will.

 

ARCHÄOLOGIE IN DEUTSCHLAND

„Menschen - Zeiten - Räume. Archäologie in Deutschland" ist bis zum 31. März im Ausstellungsgebäude Martin-Gropius-Bau, Niederkirchner Straße 7, in Berlin zu sehen. Vom 9. Mai bis 24. August wird die Schau in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich-Ebert-Allee 4, in Bonn gezeigt. Führungen und Vorträge begleiten die Ausstellungen. Im Katalog wird die Archäologie-Forschung der vergangenen 25 Jahre in etwa 100 wissenschaftlichen, aber allgemein verständlichen Beiträgen beschrieben; er kostet 25 Euro.                        Chv

Frankfurter Rundschau -  5.3.03
23.6.05